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Hochwasserschutz


 

Das Hochwassergeschehen in Brandenburg wird bestimmt durch die beiden Flussgebiete Oder und Elbe. Beide Flüsse treffen in ihrem mittleren beziehungsweise mittleren und unteren Lauf auf Brandenburger Gebiete. An der Elbe einschließlich der Nebenflüsse sind 26.000 Menschen auf rund 26.300 Hektar Landesfläche betroffen. An der Oder, die im Brandenburger Bereich den Grenzfluss zur Republik Polen bildet, und deren Nebenflüssen sind auf brandenburgischem Gebiet etwa 34.400 Menschen und 87.000 Hektar Landesflächen direkt betroffen. Hier fällt besonders das tiefliegende Oderbruch ins Gewicht, wo ein Versagen der Hochwasserschutzanlagen die direkte Gefährdung von 20.000 Menschen zur Folge hätte.

Foto: Deichbau bei SchwedtFoto: Deichbau bei Schwedt Hochwasser muss aber nicht zwangsläufig hohe Schäden durch Überschwemmungen bedeuten. In den potenziell gefährdeten Gebieten des Landes Brandenburg konnte durch technische Hochwasserschutzmaßnahmen (Deiche, Talsperren, Rückhaltebecken und andere Schutzanlagen) sowie durch gezieltes Hochwassermanagement in den letzten Jahren ein deutlich verbessertes Schutzniveau erreicht werden.

Der Schutz flussnaher beziehungsweise tiefliegender Gebiete vor Überschwemmung durch Hochwasser wird vor allem durch technische Maßnahmen, zum Beispiel Talsperren, Rückhaltebecken und insbesondere Deichanlagen, gewährleistet. Deshalb wurden und werden erhebliche Mittel eingesetzt, um die Deichanlagen an den hochwassergefährlichen Flussabschnitten dem aktuellen technischen Standard anzupassen. Die Deichbaumaßnahmen sowie die ordnungsgemäße Unterhaltung der Hochwasserschutzanlagen obliegen dem Landesamt für Umwelt (LfU). 

Neben den technischen Hochwasserschutzmaßnahmen gewinnt die Erhaltung und Wiedergewinnung von Überschwemmungsgebieten, sowie eine angepasste Flächennutzung in überschwemmungsgefährdeten Gebieten an Bedeutung.

Hochwasserereignisse kennen keine Ländergrenzen. Die Verhältnisse im oberen Einzugsgebiet eines Flusses können sich maßgeblich auf die Hochwassersituation der Unterlieger auswirken. Die Hochwassersituation in den brandenburgischen Oder- und Elbeabschnitten ist geprägt durch die Entstehungsgebiete in den polnischen und tschechischen Mittelgebirgen sowie durch abflussbeeinflussende Maßnahmen am Ober- und Mittellauf. In den Flussgebietskommissionen länder- oder grenzüberschreitender Ströme wird Hochwassermanagement deshalb auf nationaler und internationaler Ebene abgestimmt. Flussgebietsbezogen werden Aktionspläne aufgestellt, in die alle Hochwasserschutzmaßnahmen vom Deichbau über die Retentionsmaßnahmen bis zur Hochwasservorhersage und gemeinsamen Hochwassermeldediensten einfließen.

Flussgebiet festgesetzte
Überschwemmungsgebiete /
Hektar
Deiche, Dämme /
Kilometer
Elbe 5.310 138
Havel 15.027 308
Oder 11.093 315*
Lausitzer Neiße 594 61
Schwarze Elster 907 272
Spree 17.595 226
Summe: 50.526 1.320
* davon 161 Kilometer Haupt- beziehungsweise Winterdeiche sowie 154 Kilometer Polder-, Quer-, Kanal- u. Sommerdeiche

Die Elbe durchfließt von Strom- Kilometer 120,5 - 135,0 (Landkreis Elbe-Elster) und 431,5 - 502,0 (Landkreis Prignitz) das Land Brandenburg und bildet in diesen Abschnitten gleichzeitig die Grenze zum Freistaat Sachsen beziehungsweise zu den Ländern Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Von besonderer Bedeutung für die Hochwasserabwehr ist der Elbeabschnitt im Landkreis Prignitz mit den Mündungsbereichen der Havel, Stepenitz, Löcknitz und Karthane. In diesem Gebiet gibt es zum Schutz der gefährdeten Einwohner 141,2 Kilometer Deiche, davon 76,2 Kilometer unmittelbar an der Elbe. Bis Ende 2008 wurden in diesem Abschnitt 68 Kilometer Elbedeich saniert, so dass fast 90 Prozent dieser Deiche eine den Vorschriften entsprechende Sicherheit gegen Hochwassergefahren ausweisen.

Im Landkreis Elbe-Elster stellt der Elbeabschnitt im Bereich Mühlberg einen weiteren Hochwasserschwerpunkt dar. Hier schützen 15 Kilometer Deichanlagen Siedlungsgebiete und Industriestandorte. 

Die Sanierung der brandenburgischen Elbedeiche soll bis 2015 abgeschlossen sein, die erforderliche Erhöhung der Elbedeiche wird darüber hinaus noch ca. 10 Jahre in Anspruch nehmen 

Überwiegend erfolgt die Sanierung der Deiche auf deren alter Trasse. Eine Rückverlegung des Elbedeiches bis zu 500 Meter landeinwärts wird derzeit zwischen Lenzen und Wustrow (Böser Ort) im Rahmen eines naturschutzfachlichen Großprojektes realisiert.

Von den Zuflüssen zur Elbe ist die "wilde" Stepenitz besonders zu beachten. Sie überwindet in ihrem Verlauf auf einer Länge von 86,4 Kilometer einen Höhenunterschied von 84 Meter. Mit ihrem hohen Fließgefälle zeigt dieser zentrale Wasserlauf der Prignitz Eigenheiten eines Gebirgsbaches, der bei Niederschlägen schnell anschwillt. So führten zuletzt im Juni 1993 außergewöhnliche, regionale Starkniederschläge zu Überflutungen vor allem in der Stadt Perleberg, weil die Abflussmengen von bis zu 65 Kubikmeter je Sekunde nicht schadlos abgeführt werden konnten. Um Schäden zukünftig zu vermeiden wurde mit einem Komplex an wasserbaulichen Maßnahmen die Entlastung des Stadtgebietes Perleberg vorgenommen. Bereits 2006 wurde mit dem Pilotprojekt "Wissenschaftliche und methodische Untersuchungen für die effiziente Erarbeitung eines Hochwasserschutzplanes (HWSP) / Hochwasserrisikomanagementplanes (HWRP) einschließlich strategischer Umweltprüfung für das Land Brandenburg sowie Datenmanagement und Erprobung am Beispiel der Stepenitz" begonnen. Der Entwurf des HWRP Stepenitz wird voraussichtlich 2011 fertig gestellt sein.

Im Flussgebiet der Havel ist vor allem die Untere Havel von Berlin bis zur Einmündung in die Elbe für den Hochwasserschutz von Bedeutung. Die zahlreichen Nebenwasserläufe unterhalb Rathenows, die durch Rückstau beeinflusst werden, sind im Mündungsbereich eingedeicht. In diesem Gebiet sind Polderflächen vorhanden, die bei extremen Hochwasserabflüssen in der Elbe zu deren Entlastung (Scheitelkappung) in Abstimmung mit Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt geflutet werden können. Zur Sicherstellung der Einbindung der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg und einer Kostenbeteiligung ist 2008 ein entsprechender Staatsvertrag vereinbart worden. An der Havel als typischem Flachlandfluss sind Hochwasserereignisse von lang anhaltenden, aber wenig ausgeprägten Hochwasserwellen vorherrschend. Erst unterhalb von Rathenow ist die Hochwassersituation auch vom Wasserstand der Elbe abhängig. 

Das Abflussregime der Oder ist gekennzeichnet durch hohe Wasserführung bei Schneeschmelze in den Mittelgebirgen und durch geringe Abflüsse in den Sommermonaten. Starkniederschläge führen hier in der Regel vor allem im Oberlauf zu Überschwemmungen. Außergewöhnlich starke, lang anhaltende Niederschläge führten in der Vergangenheit aber auch in der Sommerperiode, zuletzt 1997, zu verheerenden Hochwasserereignissen. Eine besondere Gefahr besteht an der Oder bei Eishochwasser, wenn die Mündung zugefroren ist und einsetzendes Tauwetter im Oberlauf zur Ausbildung einer Hochwasserwelle führt. Seit dem Sommerhochwasser 1997 wurden erhebliche Anstrengungen zur Instandsetzung und Sanierung der brandenburgischen Oderdeiche nach modernen technischen Standards unternommen. Die Oderdeiche werden für einen Wasserstand, der einem 200-jährlichem Hochwasser entspricht, mit 1 Meter Freibord ausgebaut. Von den 163 Kilometer Deichen an der Oder sind mit Unterstützung der EU inzwischen fast 90 Prozent saniert. Der Schwerpunkt der Deichbauarbeiten liegt derzeit im Bereich des Unteren Odertals.

Der Brandenburgische Abschnitt der Lausitzer Neiße ist im Wesentlichen eingedeicht. Die Sanierungsarbeiten sind bis auf Restarbeiten im Bereich Guben abgeschlossen. Die Deiche wurden hier für ein HW 100 mit 50 Zentimeter Freibord ausgebaut. Im Rückstaubereich der Oder erfolgte der Ausbau analog dem Oderdeichausbau auf ein HW 200 mit 1 Meter Freibord.

Die Oder und die Lausitzer Neiße bilden in ihren brandenburgischen Abschnitten die Grenze zu Polen. Die grundsätzlichen Fragen zur Deichsanierung und zu weiteren hochwasserrelevanten Maßnahmen im Hochwasserabflussprofil werden deshalb innerhalb der deutsch-polnischen Grenzgewässerkommission gegenseitig abgestimmt.

Die Schwarze Elster durchfließt auf 86,6 Kilometer Fließlänge das Bundesland Brandenburg und ist in diesem Bereich durchgängig eingedeicht. Derzeit wird mit der Erarbeitung eines Hochwasserrisikomanagementplanes begonnen. Ausgehend von einem überwiegenden Sanierungsbedarf der bestehenden Deichanlagen zielen bereits erfolgte Vorplanungen darauf ab, die Gewährleistung des Hochwasserschutzes von Siedlungen und Infrastruktur durch Ertüchtigung vorhandener Deichanlagen beziehungsweise Neubau von Flügeldeichen und Verwallungen zu realisieren. Unter weitgehender Nutzung der natürlichen Retentionsräume wird die Reduktion der Gesamtdeichlänge um bis zu 50 Prozent vorgesehen.

Der Hochwasserabfluss in der Spree wird entscheidend durch die Rückhaltung in den Talsperren Bautzen und Quitzdorf (Sachsen) sowie der Talsperre Spremberg (Brandenburg) und die relativ großen Retentionsflächen beeinflusst. In der Talsperre Spremberg kann durch die Nutzung des Hochwasserschutzraumes von ca. 19 Mio. Kubikmeter eine starke Abflachung des Hochwasserscheitels erreicht werden. Durch die in den 90-er Jahren durchgeführte Sanierung von Deichanlagen an der Spree vor allem im Stadtgebiet Cottbus und weitere wasserbaulichen Maßnahmen wurde der Schutz der Einwohner im Spreegebiet erheblich verbessert. Für den gesamten Spreebereich und der Dahme wird gegenwärtig die Erarbeitung eines Hochwasserrisikomanagementplanes vorbereitet.

Letzte Aktualisierung: 10.06.2016