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03.03.2016Tag des Artenschutzes am 3. März

Auch das kleine „Glöckchen“ am Wegesrand steht für Vielfalt

Groß Glienicke – Der Tag des Artenschutzes (3. März)  soll für  die weltweite Bedrohung der biologischen Vielfalt sensibilisieren. Rund ein Drittel aller Pflanzen- und Tierarten ist auf der Erde akut bedroht. Der Brandenburger Landtag hatte am 9. November 2012 die Landesregierung aufgefordert,  ein Maßnahmepaket zum Schutz der biologischen Vielfalt vorzulegen. Das daraufhin unter Federführung des Agrar- und Umweltministeriums 2014 erarbeitete „Maßnahmenprogramm Biologische Vielfalt Brandenburg“ umfasst verschiedene Pakete – von konkreten Naturschutzmaßnahmen bis zu Anforderungen an die verschiedenen Landnutzungsbereiche, die ländliche Entwicklung, den Tourismus und die Umweltbildung.

Neben der Verbesserung des Erhaltungszustands der im europäischen Rahmen zu schützenden Arten und Lebensräume umfassen die Naturschutzmaßnahmen dieses Programms auch die Stabilisierung der Bestände oder Wiederansiedlung von Arten, die sonst wohl in absehbarer Zeit bei uns in Brandenburg aussterben würden.

Dazu gehört die mittlerweile extrem selten gewordenen Wiesen-Küchenschelle (Pulsatilla pratensis). Ihren Namen hat die kaum 10 Zentimeter große Pflanze von den an Miniatur-Kuhglocken erinnernden, überhängenden Blütenköpfchen.

Einst auch in Brandenburg weiter verbreitet, finden sich heute ihre letzten kleinen Vorkommen in Trockenrasen an den Oderhängen oder auf Hügelstandorten im Havelland und in der Uckermark. Viele ehrenamtliche Helfer kümmern sich seit langem um die verbliebenen Bestände. Obwohl in einigen Flächen mit einer Beweidung durch Schafe versucht wird, diese und andere bedrohte Pflanzenarten der Trockenrasen zu erhalten, reicht das längst nicht mehr aus. Änderung der Landnutzung, fehlende Schafbeweidung, Nährstoffeinträge und Versauerung der Böden machen der Küchenschelle das Leben nicht nur hierzulande schwer.

Daher hatte der NABU-Regionalverband Templin e.V. bereits 2012 ein über den EU-Agrarfonds ELER gefördertes Projekt ins Leben gerufen. Die Küchenschelle und drei weitere, sehr seltene Pflanzenarten wurden dabei nach Entnahme von Samen an verbliebenen Fundorten in gärtnerischer Kultur vermehrt und dann zur Bestandsstützung sowie an früher besiedelten Stellen wieder ausgebracht. Mit Erfolg, wie das 2015 abgeschlossene Schutzprojekt zeigte. In der Nähe des Oberückersees bei Potzlow kann man heute an einem beschilderten Lehrpfad wieder Küchenschellen beobachten und sich über das Projekt informieren.

Auch aus Mitteln des Programms zur integrierten ländlichen Entwicklung (ILE) wurden in den letzten Jahren vom Land Schutzprojekte für die Wiesen-Küchenschelle und andere Arten der Trockenrasen finanziert, zum Beispiel am Zeisigberg nördlich von Lebus an der Oder sowie in den Schildbergen bei Angermünde. Nicht zuletzt hat das bis 2019 laufende EU-LIFE-Projekt „Kalkreiche Sandrasen“ im Gebiet der Dahme-Heideseen die Art mit auf der Agenda.

Wer Glück hat, kann die kleinen „Frühlingsglöckchen“ ab Mitte April an ihren letzten Fundorten beobachten. Doch bitte stehen lassen: im Garten hätten die geschützten Pflänzchen mit ihren tief reichenden Wurzeln ohnehin keine Überlebenschance.

Wiesen-Kuhschelle
  • Pulsatilla pratensis ssp. nigricans (Foto: F. Zimmermann, LfU)

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Dr. Jens-Uwe Schade
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