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Vorläufige Bewertung des Hochwasserrisikos


 

Die Hochwasserrisikomanagementrichtlinie: Bericht über die vorläufige Bewertung des Hochwasserrisikos im Land Brandenburg

Die deutschen Bundesländer haben sich bereits während des Entstehungsprozesses der Hochwasserrisikomanagementrichtlinie (HWRM-RL) dafür eingesetzt, dass bisher erreichte Ergebnisse beim Hochwasserschutz gesichert und Doppelarbeiten und Mehraufwand vermieden werden. Es ist insofern für das EU-Mitgliedsland Deutschland als Erfolg zu werten, dass mit dem Artikel 13 Übergangsregelungen zur Anerkennung von Vorleistungen Bestandteil der Richtlinie wurden. Im Rahmen der vorläufigen Bewertung des Hochwasserrisikos hat Brandenburg konsequent hiervon Gebrauch gemacht.

Entsprechend hat das Land Brandenburg die Vorgaben der HWRM-RL zur Feststellung von Hochwasserrisiken wie folgt umgesetzt:

  1. Die hochwassergeneigten Gewässer und Gewässerabschnitte der Verordnung vom 17. Dezember 2009 (GVBl. II/9, Nr. 47) wurden nach Art. 13 I b HWRM-RL berücksichtigt. Dies erfolgte durch Beschluss der Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz vom 6. November 2010.
     
  2. Für alle anderen Gewässerabschnitte wurde eine vorläufige Bewertung nach Art. 4 HWRM-RL unter Verwendung der "Methodik der wassersensiblen Bereiche" durchgeführt und auf dieser Basis dann nach Art. 5 HWRM-RL diejenigen Gebiete bestimmt, für die ein potenzielles signifikantes Hochwasserrisiko besteht oder für wahrscheinlich gehalten werden kann.

Die Methodik der wassersensiblen Bereiche stellt eine Möglichkeit dar, auf Basis leicht verfügbarer bzw. abzuleitender Daten an Fließgewässern potenziell überschwemmungsgefährdete Gebiete zu identifizieren und geht mit einer Abschätzung der Schadenspotenziale in diesen Bereichen einher. Es wurde dabei in einem mehrstufigen Verfahren geprüft, ob aus der räumlichen Nähe von bedeutenden Schutzgütern der Kategorien menschliche Gesundheit, Umwelt, Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten/Sachwerte zu Fließgewässern, die eine Hochwassergefahr mit sich bringen können, ein potenziell signifikantes Hochwasserrisiko resultieren kann.

Die Untersuchung umfasste drei Schritte:

Schritt 1 - Identifizierung von Gebieten an Gewässern mit potenzieller Überschwemmungsgefahr
(Anwendung eines Geografischen Informationssystems (GIS))

Der Bodenkundlichen Übersichtskarte im Maßstab 1:300.000 wurden Bereiche mit Auen- und Moorbodenformen entnommen. Zu diesen Gebieten mit hydromorphen Böden, in denen wasserbedingt ein dauerhafter oder längerfristiger Einfluss besteht oder aber z. B. auch in der Vergangenheit vor größeren wasserbaulichen Eingriffen in ein Gewässersystem bestanden haben muss, wurde ein 500 Meter-Streifen als Puffer hinzugerechnet ("wassersensible Bereiche").
Berücksichtigung fanden grundsätzlich wassersensible Bereiche an Gewässerabschnitten unterhalb der Quellregionen. Ausnahmen stellen einzelne Quellregionen dar, für die es Hinweise auf häufiger auftretende intensive Oberflächenabflüsse gab (wassererosionsgefährdete Flächen).

Schritt 2 - Betroffenheit der Schutzgüter
(Anwendung eines Geografischen Informationssystems (GIS))

Die Schutzgüter "menschliche Gesundheit", "Umwelt", "Kulturerbe" und "wirtschaftliche Tätigkeit" fanden über Flächennutzungsdaten Eingang. Hierzu wurden aus dem Allgemeinen Topographischen Karten-Informationssystem (ATKIS) Daten zu Flächen mit Wohnnutzung (Mindestgröße 500 Quadratmeter), Industrie- und Gewerbeflächen sowie Flächen gemischter Nutzung herangezogen. Zudem fanden Gebiete besonderer funktionaler Prägung Beachtung, wenn sie Bedeutung für die Versorgung oder Gesundheit und Soziales besaßen bzw. es sich um Flächen mit anderer kritischer Infrastruktur handelte (z. B. Kraft- oder Wasserwerke). Beim Kulturerbe wurden alle Weltkulturerbestätten in Brandenburg berücksichtigt.

Schritt 3 - Plausibilisierung und Signifikanz des Hochwasserrisikos
(Detailprüfung durch wasserwirtschaftliches Expertenwissen)

Um festzustellen, ob tatsächlich ein potenzielles signifikantes Hochwasserrisiko besteht oder für wahrscheinlich gehalten werden kann, wurden die zuvor auf Basis von GIS-Anwendungen identifizierten Gebiete einer detaillierten Prüfung durch lokales wasserwirtschaftliches Expertenwissen unterzogen und dabei drei Kriteriengruppen näher betrachtet:

  1. gebietsspezifische Gegebenheiten bzw. Örtlichkeit, um die Höhenlage und Entfernung der schutzbedürftigen Objekte zum Gewässer zu berücksichtigen,
  2. Charakteristik des die Gefährdung hervorrufenden Fließgewässers (Größe und Morphologie des oberirdischen Einzugsgebiets, Abflussprofil, Abflussspenden bei seltenen bzw. extremen Hochwasserabflüssen),
  3. Größe und materielle Art der Gefährdungsobjekte.

Die Berichterstattung zur vorläufigen Bewertung an die EU-Kommission erfolgte für die deutschen Bundesländer mit einem Anteil am Elbeeinzugsgebiet über die Flussgebietsgemeinschaft Elbe (FGG Elbe) und den Bund. Die hierfür notwendigen Daten und Texte wurden in der FGG Elbe gemeinsam abgestimmt und durch die Geschäftsstelle der FGG koordiniert.
Für das Odereinzugsgebiet erarbeiteten die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Brandenburg ein abgestimmtes Papier und leiteten dieses dem Bund zu.
Eine staatenübergreifende Koordination erfolgte zudem über die Gremien der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE) bzw. die Internationale Kommission zum Schutz der Oder gegen Verunreinigung (IKSO).

Im Ergebnis der vorläufigen Bewertung werden durch Beschluss für 2005 Kilometer und entsprechend der Methodik wassersensibler Bereiche für 207 Kilometer Gewässer und Gewässerabschnitte Gefahren- und Risikokarten sowie Risikomanagementpläne erstellt.

  • Abbildung der Gewässer und Gewässerabschnitte vorläufige Bewertung Hochwasserrisiko
  • Übersicht der Gewässer und Gewässerabschnitte vorläufige Bewertung Hochwasserrisiko (Tabelle)
  • Ergebnisse der vorläufigen Bewertung des Hochwasserrisikos, unterteilt nach Teileinzugsgebieten
Letzte Aktualisierung: 22.03.2016

Übersicht

Themen

Karte der Gewässer und Gewässerabschnitte mit Hochwasserrisiko


 



Rechtsgrundlagen

  • HWRM-RL
    (Hochwasserrisiko-
    managementrichtlinie)
  • WHG
    (Wasserhaushaltsgesetz)
  • BbgWG
    (Brandenburgisches Wassergesetz)
  • Verordnung zur Bestimmung hochwassergeneigter Gewässer und Gewässerabschnitte
  • Beschluss gemäß Artikel 13 der HWRM-RL für das Land Brandenburg



Kontakt:

MLUL, Abteilung Wasser und Bodenschutz
Referat 24
"Hochwasser, Stabilisierung Wasserhaushalt"
E-Mail an das Referat