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Waldzustandbericht 2012

Insgesamt guter Vitalitätszustand - Entwicklung des guten Kronenzustandes der Wälder wird fortgesetzt

Deckblatt Waldzustandsbericht 2012 Neues Fenster: Bild - Deckblatt Waldzustandsbericht 2012 - vergrößern Deckblatt © MIL

Der Begriff Waldzustand hat einen komplexen Inhalt, der zudem eine Bewertung einschließt. Wald ist eine vielfältige Mischung verschiedenster durch Bäume geprägter Ökosysteme, die sich in sehr unterschiedlichen Zuständen präsentieren können. Die Waldzustandserhebung (WZE) konzentriert sich auf den Zustand der den Wald prägenden Bäume. Diese können nach verschiedenen Aspekten, wie zum Beispiel Wachstum, Ernährungszustand, Vermehrungsfähigkeit, oder Widerstandsfähigkeit, auf ihre Vitalität hin bewertet werden.

Indikator der Waldzustandserhebung

Die Waldzustandserhebung nutzt dafür einen kleinen aber wesentlichen Teil als Indikator zur Bewertung: die Aufrechterhaltung der Blattfläche der Bäume als Basis der Photosynthese. Das wesentlichste Merkmal dabei ist die Belaubungsdichte der ungestört entwickelten, belichteten Baumkrone. Dieser Teil der Baumkrone (der Boniturbereich) wird vom Fachmann mit dem theoretischen Idealbild des voll belaubten Baumes am gleichen Standort verglichen und die Differenz zur tatsächlichen Belaubungsdichte in 5 Prozent Stufen erfasst. Die dabei festgestellten Nadel-/Blattverluste der Einzelbäume werden zur Ableitung von verschiedenen Indikatoren (zum Beispiel: Anteile der Schadstufen, mittlere Kronenverlichtung) genutzt:

Anpassung der Netzdichte

Mit der 2009 erfolgten Anpassung an das Grundnetz der Bundeswaldinventur wurde in Brandenburg die Netzdichte der WZE von 8 x 8 auf 16 x 16 km reduziert. Damit können die Anforderungen des Bundes und der EU an eine Waldzustandserhebung erfüllt und ein Überblick zur Situation der Wälder im Land Brandenburg gegeben werden. Eine Differenzierung nach Landkreisen und nach Baumartengruppen ist mit statistisch belastbaren Werten jedoch nicht möglich. Durch die veränderte Aufnahmedichte und die Verlegung des Aufnahmenetzes ist ein Bruch der bisherigen Zeitreihe erfolgt und die Vergleichbarkeit mit vorangegangenen Jahren nur eingeschränkt möglich.

Hauptergebnisse der Waldzustandserhebung 2012

(Angaben in Prozent der Waldfläche, Veränderung zum Vorjahr in Prozentpunkten)

Tabelle der Hauptergebnisse © LFE

 

Die Kronenzustandserfassung 2012 weist für die Wälder der Region Brandenburg / Berlin weiter einen insgesamt guten Vitalitätszustand aus. Auf 56 Prozent der Waldfläche sind keine Schäden festgestellt worden. Knapp 35 Prozent der Wälder hatten nur geringe Kronenverlichtungen (Schadstufe 1). Wie im Vorjahr wiesen nur 9 Prozent der Flächen deutliche Schäden auf, auch die mittlere Kronenverlichtung über alle Baumarten blieb mit 14 Prozent gleich.

Aufnahmesystem Fischaugenobjektiv © LFEDamit wurde die Entwicklung des insgesamt guten Kronenzustandes der Wälder in den letzten vier Jahren fortgesetzt und entspricht dem Niveau der Jahre 1999 bis 2001. Mit 8 Prozent deutlichen Schäden (–1 Prozent) und 57 Prozent ohne Schadstufe (+5 Prozent) bleibt der Waldzustand insgesamt auch 2012 im Bereich des Normzustandes, der bei etwa 10 Prozent deutlichen Schäden gesehen wird. Die mittlere Kronenverlichtung liegt unverändert bei 14 Prozent. Ein ähnlich guter Waldzustand war zuletzt in der Periode 1998 bis 2001 zu verzeichnen.

Kronenzustand nach Baumartengruppen

Der Kronenzustand der Waldbäume ist nach Baumartengruppen jedoch deutlich differenziert. Während die Nadelbaumarten auch 2012 insgesamt wenige Schäden im Kronenzustand erkennen lassen, bleiben Buchen, Eichen und andere Laubbäume bei höheren bzw. steigenden Verlichtungsgraden. Die Schere in der Kronenzustandsentwicklung zwischen den Nadel- und den Laubbaumarten ist seit 1997, als beide Baumartengruppen noch den gleichen Kronenzustand aufwiesen, deutlich größer geworden. Die Kiefern hatten 2009 eine bis dahin außergewöhnlich gute Benadelungsdichte erreicht. Dieser Zustand wird seither im Wesentlichen beibehalten. Mit 63 Prozent der Baumartenfläche ohne sichtbare Schäden (+3 Prozent) und mit einem Anteil von nur 3 Prozent (–2 Prozent) deutlichen Schäden ist der Kronenzustand Kiefer als gut zu bewerten. Die mittlere Kronenverlichtung liegt wie 2010 bei nur 11 Prozent.

Buchen © MILSeit 2004 weisen die Buchen ein erhöhtes Niveau deutlicher Schäden auf. Für die Altbuchen sind stärker reduzierte Belaubungen in den Jahren mit Vollmast typisch. Die seit 1998 mit zweijährigem Rhythmus ungewöhnlich häufige und starke Fruchtbildung führte zu jeweils reduzierter Belaubung der älteren Buchen. Mit der Vollmast 2011 war die mittlere Kronenverlichtung in diesem Jahr um 5 Prozent angestiegen. 2012 ohne Mast ist sie wieder um 6 Prozent gesunken und liegt jetzt bei 16 Prozent. In der Zeitreihe sind seit 1999 die Anteile von Buchen ohne Schäden rückläufig, während die deutlichen Schäden gleichbleibend bei etwa 30 Prozent liegen.

Die Eichen (Trauben- und Stieleiche) sind schon seit 2001 die Baumartengruppe mit dem höchsten Grad der Kronenverlichtung. Nach dem Rekordsommer 2003 stiegen die deutlichen Schäden im darauffolgenden Jahr auf 45 Prozent. Bis 2009 ist der Anteil deutlicher Schäden wieder zurückgegangen. Seit 2010 nehmen die deutlichen Schäden aber wieder zu und liegen aktuell bei 41 Prozent. Mit nur 10 Prozent ohne Schäden hat sich der Kronenzustand der Eichen weiter verschlechtert. Die mittlere Kronenverlichtung stieg um weitere 3 auf 29 Prozent, dem höchsten Wert in der Zeitreihe seit 1991.

Klima - Witterung - Schadstoffe

Die Witterungsbedingungen waren nach dem letzten Trockenjahr 2006 für das Baumwachstum überwiegend positiv. Auf den aktuellen Waldzustand wirkte sich diese Witterung aber nur bei der Kiefer positiv aus. Der kühle schneereiche Winter 2010 und ein warmer Sommer mit zum Teil hohen Niederschlägen, entsprechen einem kontinentalen Klimacharakter, welcher der Baumart Kiefer entgegenkommt. 2012 setzte sich die Witterung mit einem kalten Februar mit Schneefällen, einem milden aber sehr trockenen Frühjahr und ausreichend bis hohen Niederschlägen im Sommer, in ähnlicher Weise wie in den Vorjahren fort.

Kronenzustand zeigen © MILEs ist gegenwärtig nicht absehbar, ob sich der Anstieg der Kronenschäden bei Laubbäumen in den letzten drei Jahren zu einem neuen Höhepunkt der Kronenverlichtung fortsetzen wird, oder sich in den nächsten Jahren wieder stabilisiert. Klimatische Trockenheit als Auslöser ansteigender Waldschäden kann als Ursache für die gegenwärtige Phase der Waldzustandsentwicklung weitestgehend ausgeschlossen werden. Das Risiko von Witterungsextremen nimmt mit der Klimaerwärmung aber zu. Die damit steigenden Risiken für die Forstwirtschaft müssen durch Sorgfalt bei der Baumartenwahl, bei der Auswahl geeigneter Herkünfte und Standorte sowie bei Pflege der Waldbestände berücksichtigt werden, damit vitale, stresstolerante Wälder aufgebaut werden können.

Humusbildung © MILZur Steigerung der Speicherkapazität der Waldböden, sowohl für Wasser als auch für Nährstoffe, kommt der Erhaltung und Mehrung der Humusvorräte in unserer Region besondere Bedeutung zu. Für den Zustand der Wälder spielt der historische und aktuelle Schadstoffeintrag in die Ökosysteme nach wie vor eine wichtige Rolle. Die Stickstoffeinträge liegen derzeit über den kritischen Eintragsraten. Damit wird die Bodenversauerung weiter forciert. Wichtige Nährelemente, vor allem Kalzium und Magnesium, werden mit dem Sickerwasser aus den Böden ausgewaschen. An den Dauerbeobachtungsflächen (LEVEL II) sind bereits Disharmonien der Nährstoffversorgung erkennbar. Die Auswertung der Nährstoffbilanz der Bodenzustandserhebung (BZE) zeigt für die Waldstandorte, dass die stoffliche Nachhaltigkeit selbst bei geringer Nutzungsintensität an einigen BZE–Punkten nicht langfristig ohne Zuführung von Nährstoffen gesichert werden kann.

Zur nachhaltigen Stabilisierung der Waldökosysteme in der Region sind die bisherigen Fortschritte bei der Reduzierung der Fremdstoffbelastung und zum Klimaschutz nicht ausreichend. Schwerpunkte für den Immissionsschutz müssen aus Sicht der Forstwirtschaft die Reduzierung der Stickstoff-Emissionen aus landwirtschaftlichen Quellen in Brandenburg und die Reduzierung der Emissionen von Vorläufersubstanzen der Ozonbildung, vor allem aus verkehrsbedingten Emissionen, sein. Hierbei hat der Ballungsraum Berlin eine große Verantwortung. Als besonders stark durch eine Klimaänderung betroffene Region müssen Berlin und Brandenburg ihre Anstrengungen zur Vermeidung klimawirksamer Spurengasemissionen verstärken. Gleichzeitig sind die Potenziale zur Stabilisierung der Waldökosysteme und des Landschaftswasserhaushaltes durch einen standortgerechten Waldumbau verstärkt zu nutzen.

 

 


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