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Güte der Fließgewässer

Seit 1990 werden die Fließgewässer im Land Brandenburg nach dem bundeseinheitlichen Gewässergüteklassifizierungssystem der "Länderarbeitsgemeinschaft Wasser" (LAWA) bewertet. Dabei wird vorwiegend die sauerstoffzehrende Belastung mit biologisch abbaubaren organischen Inhaltsstoffen beurteilt. Grundlage bildet die Analyse der Besiedlung mit Organismen, deren Vorkommen Rückschlüsse auf die Gewässergüte zulässt. Die Ergebnisse werden in Gewässergütekarten dargestellt. Die Gewässergütekarte stellt die erreichten Fortschritte, aber auch noch bestehende Defizite bei den untersuchten Gewässerabschnitten in übersichtlicher Form dar.

Von den insgesamt 1.800 Kilometer klassifizierten Wasserläufen mussten 1990 27 Prozent als stark bis übermäßig verschmutzt eingestuft werden. Dieser Anteil hat sich in den Folgejahren deutlich verringert. So weist die Gütekarte 1992 bereits einen Rückgang auf 19 Prozent aus, und in der Gütekarte 1996 sind nur noch 14 Prozent diesen Güteklassen zuzuordnen. Längerfristiges Ziel ist, für die brandenburgische Hauptgewässer die Güteklasse II bzw. II-III zu erreichen. Dies ist auch für den Tourismus von großer Bedeutung (Badestellenkarte).

Die Güteklassen werden folgendermaßen bezeichnet:

Güteklasse I: unbelastet bis sehr gering belastet
Güteklasse I-II: gering belastet
Güteklasse II: mäßig belastet
Güteklasse II-III: kritisch belastet
Güteklasse III: stark verschmutzt
Güteklasse III-IV:  sehr stark verschmutzt
Güteklasse IV: übermäßig verschmutzt

Die positive Entwicklung der Gewässergüte hat zwei Ursachen:

  • Der Neubau bzw. die Modernisierung von Kläranlagen verbesserten die Abwasserbehandlung. Insgesamt wurde der Anschlussgrad der Bevölkerung an leistungsfähige Kläranlagen erhöht (von 53 Prozent 1990 auf 67 Prozent 1997) und die Reinigungsleistung bestehender Anlagen verbessert, so dass die Gewässer weniger belastet werden.
  • Durch Betriebsstillegungen oder Produktionsveränderungen bzw. technische Verbesserungen bei der industriellen Abwasserbehandlung wurden Gewässerbelastungen vermindert. Das wird besonders an der Gütesituation in der Schwarzen Elster deutlich. Hier mussten 1990 noch 55 Kilometer der Güteklasse IV zugeordnet werden. 1996 entsprach die Gewässergüte im gesamten Abschnitt mindestens der Güteklasse III.

Im Land Brandenburg wirkt sich der hohe Anteil rückgestauter und planktondominierter Fließgewässer bei der Gewässergütebeurteilung im Landesmaßstab nachteilig aus (lange Aufenthaltszeiten in den Staustufen und in den zahlreichen durchflossenen Seen und seenartigen Erweiterungen). Es kommt zu Algenmassenentwicklungen, wie sie für überdüngte stehende Gewässer typisch sind.

Gewässergüte des Landes Brandenburg (Ausgabe:1996)

Vergleich der Fließgewässergüte 1990 / 1996 (in Kilometer)

Güteklasse I I-II II II-III III III-IV IV
1990 0 80 451 683 297 69 101
1996 0 47 496 902 208 28 0

Die auffälligsten nachteiligen Auswirkungen sind:

  • Eintrübungen und Verfärbungen des Wassers durch Massenentwicklungen von vor allem Blaualgen, sogenannte "Wasserblüten" an der Gewässeroberfläche
  • starke Sauerstoffschwankungen bis zum Schwund mit lebensbedrohenden Wirkungen für die aquatische Fauna  
  • zeitweise Erhöhungen des pH-Wertes  
  • Freisetzung von Faulgasen, u. a. hochtoxischen Schwefelwasserstoff, aus den hier meist reichlich vorhandenen organischen Sedimenten  
  • verstärkte Rücklösung von Nährstoffen aus den Sedimenten in das Wasser

Wegen des hohen Nährstoffdepots in den Sedimenten vieler Gewässer und den Rücklösungsprozessen können trotz erheblich zurückgegangener Einträge (Phosphate) in diesen Gewässern die Bemühungen zur Verbesserung der Gewässergüte erst langfristig wirksam werden.

Zukünftige Entwicklung der Gewässergüte

In einigen Fließgewässerabschnitten können weitere Güteverbesserungen erwartet werden, vor allem aufgrund von geplanten wasserwirtschaftlichen Maßnahmen, wie dem Kläranlagenbau und Sanierungen in den Gewässereinzugsgebieten. Hierdurch können längerfristig auch positive Effekte auf die Wasserbeschaffenheit zahlreicher Standgewässer eintreten. Als weitere Schwerpunkte und wichtige Instrumente des Gewässerschutzes sind zu nennen:

  • Abwasserzielplanung
  • Umsetzung der "Allgemeinen Güteanforderungen für Fließgewässer"
  • Zielvorgaben für Problemstoffe wie Schwermetalle und Pflanzenbehandlungsmittel
  • Umsetzung der "Richtlinie für die naturnahe Gestaltung, die Unterhaltung und den Ausbau der Fließgewässer"
  • weitere Verminderung der Schad- und Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft
  • Sanierungs- und Renaturierungsvorhaben an Einzelobjekten (fließende und stehende Gewässer)
  • Anlage von Gewässerrandstreifen
  • Verbot der direkten Schmutzwassereinleitung in Standgewässer

Weitere Informationen:

LAWA - Länderarbeitsgemeinschaft Wasser

Letzte Aktualisierung: 17.04.2013

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Kontakt:

MLUL, Abteilung Wasser und Bodenschutz
Referat 21
Kathrin Kulze
Tel.: 0331/ 866 -7337
E-Mail an: Kathrin Kulze