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Fragen & Antworten zur Tierhaltung in Brandenburg

Ferkel Ferkel © A.Wiebe Verbraucher in Brandenburg möchten mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln versorgt werden, möglichst aus der eigenen Region. Das gilt auch für Fleisch und andere tierische Produkte. Insbesondere zu Themen wie Fleischproduktion und Tierwohl, Fleischverarbeitung  und Fleischkonsum findet gegenwärtig eine intensive öffentliche Diskussion statt. 

Die Verbraucher möchten wissen, wie Tiere gehalten werden und welche gesetzlichen Standards gelten, damit ein Tier gesund und artgerecht gehalten wird. Wer kontrolliert das eigentlich? Was passiert bei Verstößen? Welche Rolle nehmen die Verbraucher ein?

Um diese Diskussion mit zu gestalten, werden nachfolgend einige Fakten zu den verschiedenen Themenbereichen aufgezeigt. Das MLUL hat ein starkes Interesse daran, die Verbraucher umfassend zu informieren und die nötigen Fakten bereit zu stellen, damit Bürgerinnen und Bürger erkennen können, dass  Brandenburg zu einer regionalverträglichen, tierartgerechten und flächengebundenen Tierhaltung beiträgt.

1. Welche Bedeutung haben Tierhaltung und Landwirtschaft?

Tierhaltung ist Teil der Landwirtschaft. Dieser Wirtschaftszweig leistet einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung in Brandenburg. Sie trägt wesentlich zur Erhaltung der Funktionsfähigkeit der ländlichen Räume bei. Auf rund 1,3 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche wirtschaften 5.400 Betriebe in den unterschiedlichsten Größen und Rechtsformen konventionell oder ökologisch mit und ohne Tierhaltung. In Brandenburg sind mehr als 39.000 Beschäftigte in der Landwirtschaft tätig. Davon schätzungsweise die Hälfte in der Nutztierhaltung. Zudem werden weitere Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Bereichen sowie im Dienstleistungssektor erhalten und gesichert.

2. Wie hoch sind die Tierbestände in Brandenburg? Hat Brandenburg zu große Tierbestände?

Die Tierbestände in Brandenburg sind im Bundesvergleich und bezogen auf die verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche relativ gering. Der Tierbesatz der nutztierhaltenden Betriebe liegt bei 0,41 GVE (Großvieheinheiten) je Hektar LF (Landwirtschaftliche Fläche). Im Ländervergleich liegt Brandenburg damit deutlich unter dem Länderdurchschnitt, der bei 1,49 GVE je Hektar LF liegt. Daraus wird deutlich, dass die Tierhaltung in Brandenburg mit einer wesentlich geringeren Intensität je Flächeneinheit betrieben wird als in vielen anderen Bundesländern.

3. Wie haben sich die Tierbestände in Brandenburg entwickelt?

Die Tierbestände haben sich außer bei Legehennen zum Teil deutlich verringert. Nennenswerte Tierbestandverluste in Teilsegmenten (z. B. bei Schafen) sind unverkennbar. Eine deutliche Zunahme bei Legehennen ist festzustellen.

Entwicklung der Viehbestände (Tsd. Tiere)

Veränderung
Tierart 1991 2010 2011 2012 2013 2014 2014
zu 1991
(*) %
Rinder insgesamt 781,0 570,3 556,1 551,3 561,5 568,1 -27,2
dar. Milchkühe 250,8 158,9 157,6 158,8 162,6 163,9 -34,6
dar. Andere Kühe k.A. 96,8 95,8 93,2 92,0 92,8 k.A.
Schweine insgesamt 1.086,2 799,3 835,1 774,0 777,4 851,1 -21,6
dar. Zuchtsauen 173,4 97,7 94,5 89,5 88,5 91,5 -47,2
dar. Mastschweine(*) 369,4 236,0 244,2 224,4 213,3 211,6 -42,7
Schafe insgesamt 178,3 102,9 78,0 79,7 72,8 77,5 -56,5
dar. weibl.      Zuchtschafe > 1 Jahr k.A. 73,1 57,5 57,5 54,7 56,6 k.A.
Veränderung
1992 2010 2011 2012 2013 2014 2013
zu 1992
(*) %
Einhufer insgesamt k.A. 17,9 k.A. k.A. 17,1 k.A. k.A.
Geflügel insgesamt k.A. 9.518,0 k.A. k.A. 10.693,6 k.A. k.A.
dar. Legehennen 1.889,0 2.840,0 k.A. k.A. 3.495,2 k.A. 85,0
dar. Masthähnchen k.A. 3.685,0 k.A. k.A. k.A. k.A. k.A.
dar. Sonst. Geflügel k.A. 2.510,0 k.A. k.A. 2.192,3 k.A. k.A.
Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (AfS); Auswertung des Herkunftssicherungs- und Informationssystems für Tiere (HIT) im November / *Erfassung und Erfassung der Viehbestände 1991-2014 im Mai und Dezember)

4. Trifft es zu, dass es in Brandenburg immer mehr größere Ställe gibt?

Als große Ställe werden hier solche verstanden, die einer Genehmigung nach dem Immissionsschutzrecht bedürfen. Bei Bestandsgrößen von beispielsweise unter 1.500 Mastschweinen, 15.000 Hennen oder 30.000 Mastgeflügel entscheiden die Landkreise über die Baugenehmigung auf Basis der Brandenburgischen Bauordnung. Alle größeren Anlagen durchlaufen ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Fakt ist, dass die Zahl von Genehmigungsanträgen für Stallanlagen, die nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz beschieden werden müssen, in den letzten Jahren deutlich gesunken ist.

So verteilen sich die Antragstellungen auf die Jahre:

Antragstellungen nutztierhaltender Betriebe nach Bundes-Immissionsschutzgesetz - BImSchG (Gesamt)

Jahr

Veränderungen und Erweiterungen

Neuanlagen

2009

14

3

2010

13

6

2011

23

9

2012

24

13

2013

18

10

2014

6

2

30.06.2015

7

0

Quelle: Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV)

KuhstallmodernisierungKuhstallmodernisierung © MLULNoch ein Hinweis dazu: In den letzten Jahren waren zahlreiche Genehmigungsverfahren notwendig, da sich die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung und die Umweltschutzrichtlinien geändert haben. Viele bestehende Landwirtschaftsbetriebe konnten diese tierschutz- und umweltschutzrechtlichen Anforderungen nicht mehr erfüllen. Das bedeutete für die nutztierhaltenden Betriebe, dass sie teilweise umfangreiche Umbaumaßnahmen machen mussten, um die neuen Standards einzuhalten. Manchmal konnten die landwirtschaftlichen Betriebe die tierschutz- und umweltschutzrechtlichen Regelungen nicht durch eine Veränderung der bestehenden Anlagen erfüllen. Alte Betriebsteile wurden abgerissen und durch neue, moderne Ställe ersetzt. Dafür mussten dann Neugenehmigungen beantragt werden.

5. „Massentierhaltung“- was ist das überhaupt?

Eine Definition des Begriffes „Massentierhaltung“ gibt es nicht. Der Begriff „Massentierhaltung“ wird häufig Missständen gleichgesetzt und als Synonym für eine nicht tiergerechte Haltung verwendet. Die Anzahl der Tiere in einem Stall sagt nichts über das Tierwohl und eine tiergerechte Haltung aus.

6. Hohe Anforderungen an den Tierschutz und Nutztierhaltung - wie passt das zusammen?

Die Tierhaltung ist Teil der Landwirtschaft. Wer Tierhaltung als wirtschaftliches Betätigungsfeld betreibt, muss sich ökonomischen Rahmenbedingungen und dem Wettbewerb stellen. Das wertvollste Gut des Tierhalters sind seine Tiere. Deshalb gehört es zum Selbstverständnis der Landwirte, den Tieren eine besondere Fürsorge zukommen zu lassen. Das gilt für Landwirte mit wenigen Tieren ebenso wie für Landwirte mit einer großen Zahl von Tieren. Unabhängig von allen wirtschaftlichen Erwägungen ist für jeden Tierhalter die Einhaltung der geltenden Vorschriften aus dem Tierschutz- und Umweltschutzrecht bei der Haltung und Aufzucht der Nutztiere oberstes Gebot..

FutterstelleFutterstelle © A.WiebeDamit das gelingt, nutzen die Tierhalter bedarfsgerechte, effiziente und umweltgerechte Verfahren und Techniken bei der täglichen Arbeit: Futterautomaten, bei denen Mastschweine ihre Nahrung nach Belieben abrufen oder Melkroboter, bei denen Kühe den Zeitpunkt des Melkens selbst wählen, lassen sich allerdings erst ab einer gewissen Größe von Herde oder Bestand ökonomisch realisieren. Unabhängig von der Betriebsgröße oder Haltungsform dienen alle Anforderungen gleichermaßen dem respektvollen Umgang mit den Tieren, der Qualität der erzeugten Lebensmittel und der Wirtschaftlichkeit.

Tierschutzstandards haben sich in den zurückliegenden Jahren stets verbessert, das Staatsschutzziel „Tierschutz“ wurde in das Grundgesetz aufgenommen, Haltungsformen und Praktiken in der Aufzucht auf den Prüfstand gestellt, so wurde etwa die Haltung von Legehennen in herkömmlichen Käfigen abgeschafft und durch die Kleingruppenhaltung im so genannten ausgestalteten Käfig ersetzt und die Fixierung von Sauen in einem bestimmten Zeitraum zwischen dem Decken und Abferkeln verboten.

7. Welche Tendenzen lassen sich beim Tierschutz erkennen?

Moderne StallanlageModerne Stallanlage © MLULTierwohl zu verbessern, nach besseren Haltungsbedingungen von Tieren zu suchen, ist und bleibt eine Daueraufgabe. So sollen die betäubungslose Ferkelkastration und das Schwänzekupieren bei Schweinen zeitnah abgeschafft werden. Das Schnabelkürzen bei vielen Geflügelarten wird es ab August 2016 nicht mehr geben. Für die praxisgerechte Umsetzung zur Verbesserung des Wohlbefindens der Tiere wird es Übergangsfristen geben. Denn auch ökonomische und arbeitswirtschaftliche Kriterien dürfen bei der Realisierung der tierschutzrelevanten Maßnahmen nicht außer Acht gelassen werden.

Es ist festzuhalten: Die Größe des Tierbestandes in der Nutztierhaltung ist kein Kriterium zur Beurteilung, ob die Tiere tierschutzgerecht gehalten werden. Doch auch hier können Verbraucherinnen und Verbraucher mit der Unterstützung lokaler Wirtschaftskreisläufe eine nachhaltige und tierwohlorientierte Produktion unterstützen.

Klar ist aber: Wer gegen Tierschutzbestimmungen verstößt, egal ob ein großer oder ein kleiner Betrieb, der muss nach Maßgabe unserer Gesetze sanktioniert werden.

8. Wer ist für die Kontrolle der nutztierhaltenden Betriebe in Brandenburg zuständig?

KontrolleKontrolle © LELFIn Brandenburg sind grundsätzlich die Landkreise und deren Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter für die Kontrolle der nutztierhaltenden Betriebe zuständig. Sie sind zuständig für das Veterinärwesen, für den Tierschutz, für die Schlachttier- und Fleischuntersuchung und für die Lebensmittelüberwachung. Der Amtstierarzt hat in der Regel die leitende Funktion im Veterinäramt. Bestimmte Aufgaben kann der Amtstierarzt an angestellte oder auch freiberuflich tätige Tierärzte delegieren, die dann als amtlicher Tierarzt autorisiert sind. Nutztierhaltende Betriebe, egal ob landwirtschaftliche oder gewerbliche, unterliegen der Überwachung der zuständigen Behörde. Das dient dem Schutz des Lebens und Wohlbefindens der Tiere sowie der Verhütung und Bekämpfung von Tierkrankheiten, die eine Gefahr für die Tierbestände darstellen (z.B. Schweinepest) oder auf Menschen übertragen werden können (z.B. Tollwut).

9. Wird in Brandenburg der Bau von Anlagen zur Intensivtierhaltung mit überdurchschnittlich hohen Fördermitteln unterstützt?

Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit für landwirtschaftliche Einzelbetriebe gibt es eine bundesweite Förderung von Investitionen, genannt GAK. Die Abkürzung steht für: „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“. Die GAK ist eine der wichtigsten nationalen Fördermaßnahmen für eine leistungsfähige, auf künftige Anforderungen ausgerichtete und wettbewerbsfähige Land- und Forstwirtschaft, den Küstenschutz sowie vitale ländliche Räume.

Für besonders tier- und umweltgerechte Investitionen in nutztierhaltenden Landwirtschaftsbetrieben Brandenburgs ist eine 40-prozentige Förderung bei zielgerichteten Investitionen in moderne, tiergerechte, klima- und umweltschonende Anlagen möglich. Diese Premiumförderung erhalten Landwirte aber nur, wenn die zu fördernden Maßnahmen weit über die Anforderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung hinausgehen. Hohe Investitionen, die für mehr Tierwohl erforderlich sind, können so unterstützt werden. Gewerbebetriebe, das sind tierhaltende Betriebe ohne landwirtschaftliche Flächen, erhalten keine Förderung im Rahmen der GAK.

10. Wie viel Fleisch essen die Deutschen durchschnittlich pro Jahr?

85 Prozent der Bevölkerung essen täglich oder nahezu täglich Fleisch und Fleischerzeugnisse.

  • Insgesamt waren das im Jahr 2013 im Durchschnitt etwa 60,3 Kilogramm Fleisch pro Jahr und Kopf.  (Quelle: www.agrar-presseportal.de/Nachrichten/Jeder-Deutsche-isst-im-Jahr-rund-60-kg-Fleisch)

  • Der Fleischverzehr teilte sich auf in: 38,1 Kilogramm Schweinefleisch, 11,6 Kilogramm Geflügelfleisch, 8,9 Kilo Rindfleisch und 1,7 Kilogramm übrige Fleischsorten (insbesondere Schaf- und Ziegenfleisch). Insgesamt nahm der Fleischkonsum um 0,5 Kilogramm ab (Quelle: Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie).

Der Fleischverzehr je Kopf der Bevölkerung in Kilogramm:

Fleischart

2010

2011

2012

2013

Rind-und Kalbfleisch

8,8

9,0

9,1

8,9

Schweinefleisch

39,5

39,4

38,7

38,1

Schaf-und Ziegenfleisch

0,6

0,7

0,6

0,6

Innereien

0,2

0,2

0,2

0,2

Geflügelfleisch

11,1

11,3

11,3

11,6

Sonstiges Fleisch

1,1

1,0

1,0

1,0

Fleisch gesamt

61,3

61,6

60,8

60,3

Quelle: AMI, BLE, Statistisches Bundesamt

11. Könnten die Landwirte in Brandenburg theoretisch alle Einwohner von Berlin und Brandenburg mit heimischen Produkten voll versorgen?

Die Versorgung der zirka sechs Millionen Einwohner von Berlin und Brandenburg könnte zurzeit nicht durch die heimische Landwirtschaft gesichert werden, obwohl der Platz dafür da wäre.

Beispiel Schweinefleisch:

Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Schweinefleisch beträgt in Deutschland ungefähr 52 Kilogramm im Jahr. Um diesen Bedarf zu befriedigen und alle aus der Region heraus zu versorgen, müsste sehr viel mehr Fleisch produziert werden, als es tatsächlich der Fall ist.

Zum Vergleich: Der Eigenversorgungsgrad bei Schweinefleisch, wo die brandenburgische Landwirtschaft gerade mal knapp 19 Kilogramm pro Kopf produziert, liegt bei 36,2 Prozent für Berlin/Brandenburg im Jahr 2012. Der Eigenversorgungsgrad bei Geflügelfleisch liegt bei 87,9 Prozent bei einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von ungefähr 19 Kilogramm in Deutschland. Der Fleischverbrauch umfasst neben dem Fleischverzehr als Nahrung für Menschen auch die Mengen, die nicht verzehrt werden; das sind Knochen, Verluste, an Tiere verfütterte Mengen und für die industrielle Verarbeitung genutzte Mengen.

Entwicklung des Eigenversorgungsgrades (Prozent) für die Region Berlin/Brandenburg    
2003 2007 2012 Veränderung 2012 zu 2007 in %
Rohmilch 72,2 69,1 68,5 -0,9
Rindfleisch 61,0 61,6 59,2 -3,9
Schweinefleisch 27,6 44,4 36,2 -18,5
Schaffleisch 30,8 24,7 25,2 2,0
Hühnereier 60,4 61,5 66,5 8,1
Geflügelfleisch 69,0 74,1 87,9 18,7
Quelle: Berechnungen Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF)

12. Wofür nutzen Landwirte und gewerbliche Nutztierhalter die im Betrieb anfallende Schweinegülle und den Geflügelmist?

Spezialtechnik zur Ausbringung von DüngerSpezialtechnik zur Ausbringung von Dünger © A. WiebeSchweinegülle und Geflügelmist, die bei der Nutztierhaltung anfallen, sind keine Abfälle, sondern nützliche Substrate zur Biogaserzeugung und wertvoller organischer Dünger. Mit allen wichtigen Nährstoffen, die Pflanzen zum Wachsen brauchen. Deshalb werden Gülle und Trockenkot zum größten Teil auf den Feldern ausgebracht. Nährstoffe, die den Äckern beim Pflanzenanbau entzogen werden, erhalten sie durch den gezielten Einsatz des Wirtschaftsdüngers zurück. Das sorgt für eine Verbesserung der Fruchtbarkeit und Bodenstruktur. Ein weiterer Vorteil für den Gebrauch von organischem Dünger: Es können damit teure, energieintensiv hergestellte Mineraldünger ersetzt werden.

Man kann für Brandenburg insgesamt aber feststellen, dass durch den relativ niedrigen Tierbestand nicht zu viel, sondern ein Mangel an organischem Dünger besteht. In der ökologischen Landwirtschaft sind Kunstdünger, bis auf wenige speziell zugelassene Mineraldünger, prinzipiell verboten. Hier wird ein möglichst geschlossener Stoffkreislauf als Wirtschaftsweise angestrebt. Bei Landwirten aus dem Öko-Landbau kommen deshalb ausschließlich organische Dünger zum Einsatz. Für die konventionelle und ökologische Landwirtschaft gelten die Gesetze aus dem Düngerecht. Für den Öko-Landbau darüber hinaus die strengen Richtlinien der europäische Öko-Verordnung.

13. Geht von großen Ställen ein besonderes Gesundheitsrisiko aus?

LüftungLüftung © MLULStallemissionen wie Staub und Ammoniak sowie Belastungen mit Bioaerosolen (Mikroorganismen) werden oft als gesundheitsgefährdend angesehen und als Argumente gegen nutztierhaltende Betriebe genannt. In der Schweine- und Geflügelhaltung entsteht der Großteil der Emissionen direkt im Stall. Ammoniak und Stäube werden in den Ställen frei. Viele Betriebe setzen deshalb Abluftreinigungsanlagen und sogenannte „Wäscher“ oder Biofilter in der Stallentlüftung ein. Eine geeignete Maßnahme zur Minderung der Emissionen. Beim Bau oder Umbau von Anlagen der Nutztierhaltung sind im Rahmen der Genehmigungsverfahren deshalb auch die einzubauenden technischen Anlagen zur Reduzierung der Emissionen fester Bestandteil der Genehmigungsauflagen.

14. Wie werden die nutztierhaltenden Betriebe bei der ordnungsgemäßen Einhaltung des Tierschutzrechts kontrolliert?

Nutztierhaltende Betriebe unterliegen der tierschutzrechtlichen
Überwachung durch die zuständigen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter. Risikoorientiert und größtenteils unangekündigt werden die Betriebe unter die Lupe genommen. Dabei legt die Behörde den Umfang der Kontrolle fest. Die Anfertigung eines Kontrollberichts ermöglicht die Weiterverwendung und den Abgleich der Feststellungen bei späteren Kontrollen. Wiederholte Verstöße können dementsprechend sanktioniert und im Extremfall mit einem (bundesweit geltenden) Tierhaltungsverbot bestraft werden.

15. Wann werden bei der Behandlung von Tierkrankheiten Antibiotika eingesetzt und wie haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür geändert?

Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen, darf nur dann ein Antibiotikum verabreicht werden, wenn dies durch den behandelnden Tierarzt unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der veterinärmedizinischen Wissenschaft verordnet wurde. Antibiotika sind derzeit mangels ausreichender Alternativen zur Therapie von bakteriell bedingten Infektionskrankheiten bei Tieren leider unverzichtbar. Da jeder Einsatz von Antibiotika die antimikrobiellen Resistenzen fördern kann, wurde im Jahr 2014 das Arzneimittelgesetz (AMG) mit dem Ziel geändert, den Einsatz von Antibiotika zu minimieren. Seitdem sind bestimmte Mastbetriebe verpflichtet, alle sechs Monate den zuständigen Behörden mitzuteilen, welche antimikrobiellen Arzneimittel sie wie vielen Tieren in welchen Mengen über wie viele Tage verabreicht haben. Aus diesen Angaben berechnet die Behörde für jeden mitteilungspflichtigen Betrieb die halbjährliche betriebliche Therapiehäufigkeit. Anhand bundesweit geltender Kennzahlen kann der Nutztierhalter den Einsatz von Antibiotika im eigenen Betrieb mit dem anderer Betriebe vergleichen.

TieruntersuchungTieruntersuchung © MLUL Wenn die Therapiehäufigkeit in einem Mastbetrieb höher liegt als die für den Betriebstyp bundesweit ermittelte Kennzahl, ist der Tierhalter nach § 58d Arzneimittelgesetz (AMG) verpflichtet, einen Tierarzt hinzuzuziehen und mit dessen Hilfe einen sogenannten „Maßnahmenplan“ zu erstellen, in dem er Maßnahmen darlegt, mit denen die Behandlung von Tieren mit Antibiotika verringert werden kann und diese Maßnahmen dann durchzuführen.

16. Wieviel schweinehaltende Betriebe gibt es in Brandenburg und wie groß sind deren Bestände?

In Brandenburg gibt es 839 schweinehaltende Betriebe mit über 850.000 Tieren. 1991 wurden noch 1.086.200 Schweine gehalten, insgesamt ein Rückgang von 21,6 Prozent. 491 Betriebe haben bis zu 50 Tiere, 170 Betriebe 51 bis 1.000 Schweine und 178 Betriebe mehr als 1.000 Schweine.

17. Wieviel Platz haben Mastschweine im Stall und wie werden sie gehalten?

Es gibt klare rechtliche Vorgaben, wie die Tiere zu halten sind (Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung). Diese Vorgaben sind durch alle Tierhalter einzuhalten.

FerkelboxFerkelbox © A.WiebeIn den Ställen gibt es abgeteilte Buchten, in denen meistens 12 bis 20 Tiere als Gruppe gehalten werden. Getrennt nach weiblichen und männlichen Mastschweinen. Mastschweine mit einem Körpergewicht von über 50 bis 110 kg ist eine Mindestbodenfläche von mindestens 0,75 Quadratmeter pro Schwein, bei Schweinen mit einem Gewicht von über 110 kg eine Fläche von 1 Quadratmeter vorzuhalten. Dem Mastschwein aus ökologischer Haltung stehen 1,3 Quadratmeter und zusätzlich 1 Quadratmeter Auslauf im Freien zu. Um Stressreaktionen und die damit verbundenen Verhaltensstörungen zu reduzieren, müssen Schweine jederzeit Zugang zu Beschäftigungsmaterial haben. Es muss hygienisch und gesundheitlich unbedenklich sowie frei von Rückständen sein. Für die Haltung besonders geeignet ist die Verwendung von Stroh, Heu, Silage oder ähnlichen Materialien.

18. Wieviel Geflügelhalter gibt es im Land Brandenburg und wie groß ist deren Anzahl an gehaltenen Tieren?

1.151 Eier-und Geflügelfleischerzeuger gibt es in Brandenburg. Davon halten 75 Prozent der Betriebe Bestandseinheiten mit weniger als 100 Tieren, 8 Prozent der Geflügelhalter haben Bestandseinheiten bis 1.000 Tiere. Lediglich 18 Prozent der Erzeuger besitzen Bestände mit mehr als 1.000 Tieren.

19. Wie haben sich die Haltungsformen bei den Legehennen in Brandenburg in den letzten Jahren verändert und warum?

Betriebsanlage LegehennenBetriebsanlage Legehennen © A.WiebeEs gibt vier Haltungsformen für Legehennen: Kleingruppen-, Boden-, Freiland- und Öko-Haltung. Die Käfighaltung, umgangssprachlich auch Legebatterie genannt, ist in Deutschland seit 2009 verboten. Ersetzt wurde sie durch die Kleingruppenhaltung in sogenannten ausgestalteten Käfigen. Aktuell wird nur noch etwa 1 Prozent der Legehennen als Kleingruppe gehalten.

Spitzenreiter bei den Haltungssystemen in Brandenburg bleibt weiterhin die Bodenhaltung mit 84 Prozent. Gefolgt von der ökologischen Haltung, die einen Anstieg um 4,2 Prozent von 2010 auf 2014 zu verzeichnen hat. Der Anteil der Haltungssysteme bei Legehennen kann Ausdruck eines veränderten Einkaufsverhaltens bei den Verbrauchern sein. Mehr als 60 Prozent der bundesdeutschen Konsumenten kaufen Eier bevorzugt aus Bodenhaltung, gefolgt von der Freilandhaltung mit rund 24 Prozent und der ökologischen Erzeugung mit rund 9 Prozent (Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft BMEL).

20. Wieviel Platz haben Legehennen bei der Boden- und Freilandhaltung?

Zwei LegehennenZwei Legehennen © A.WiebeIn der Legehennenhaltung sind bei der Boden- oder Freilandhaltung maximal neun Hennen pro Quadratmeter Stallfläche zulässig. Pro Tier stehen bei der Freilandhaltung zusätzlich mindestens vier Quadratmeter Auslauffläche zur Verfügung. Die rechtlichen Bestimmungen der ökologischen Haltung schreiben für Legehennen ein Platzangebot von maximal sechs Tieren pro Quadratmeter Stallfläche vor. Darüber hinaus muss pro Henne eine Sitzstange zur Verfügung stehen, auf der das Tier mindestens 18 cm Platz hat. Zusätzlich müssen je Tier vier Quadratmeter Auslauffläche angeboten werden.

Kontakt

Referat 30 - Grundsatzfragen der ländlichen Entwicklung und Landwirtschaft; Rechtsangelegenheiten
Birgit Korth
E-Mail an Birgit Korth
Tel.: 0331-866-7610
Fax.: 0331-27548-7610