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20.04.2017Die Fichte ist Baum des Jahres 2017 - in Brandenburg

Potsdam – Die Dr. Silvius Wodarz Stiftung kürt jährlich seit 1989 einen Baum des Jahres. In diesem Jahr ist es die Gemeine Fichte (Picea abies). Kaum eine Baumart ist in Deutschland mit so vielen Emotionen beladen wie die Fichte. Das Spektrum reicht von der ungeliebten, dunklen Fichtenplantage bis zum verehrten, liebevoll geschmückten Weihnachtsbaum, der meist eine Fichte war und oft heute auch noch ist.

Ebenso vielfältig wie die Meinungen über die Fichte ist auch ihr äußeres Erscheinungsbild in ihrem Verbreitungsgebiet, das von den nordischen Waldlandschaften bis zum Ural reicht. Ihre wertvollen Holzeigenschaften und eine vergleichsweise einfache Bewirtschaftungsweise hat sie in weiten Teilen Deutschlands zur häufigsten Baumart werden lassen. Die dritte Bundeswaldinventur wies im Jahr 2012 auf rund 25 Prozent der Waldfläche Deutschlands Fichtenbestände aus. Kiefern wachsen auf rund 22 Prozent der Fläche.

Die „Brandenburger Fichte“ steht in der Lausitz

Aufgrund des hohen Anteils an trockenen Standorten in hiesigen Breiten, mit denen die Kiefer besser zurecht kommt als die Fichte, hat Brandenburg mit Fichtenbeständen auf etwa insgesamt 17.000 Hektar einen relativ geringen Anteil an dieser Baumart. Da Fichte nicht gleich Fichte ist, haben sich in Abhängigkeit von Höhenlage, Standort und Klima genetisch abgrenzbare Populationen entwickelt, die sich auch äußerlich deutlich unterscheiden. Einige dieser Populationen - Fachleute sprechen von Provenienzen - haben es zu einiger Berühmtheit gebracht. So auch Südbrandenburg und Nordsachsen, wo sie nach heutigem Stand die Lausitzer Tieflandfichte in der Wissenschaft auf rund 800 Hektar steht.

Fichte als Forschungsobjekt in Eberswalde

Die regionale Lausitzer Herkunft ist von besonderer botanischer und naturschutzfachlicher Bedeutung, die bereits seit Mitte der 1950er Jahre im Interesse der Eberswalder Waldforscher steht. Sieben amtlich ausgewiesene Saatgutbestände der Tieflandfichte (sechs davon im Landeswald) sichern auch künftig den genetischen Fortbestand in den Südbrandenburger Wäldern. Darüber hinaus zeigen die vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) untersuchten Bestände eine dichte aber lokal stark abgegrenzte natürliche Verjüngung.

Ob die Lausitzer Tieflandfichte auch überregionale Bedeutung erlangen könnte und ihr Saatgut vielleicht zum Exportschlager unter den Bedingungen des Klimawandels werden könnte, wird gerade in zwei bundesweiten Forschungsprojekten unter Beteiligung des LFE untersucht.

Erste Ergebnisse zeigen, dass die Südbrandenburger Fichten nicht unbedingt eine höhere Trockenstresstoleranz haben, aber sich nach Trockenheit wieder sehr schnell erholen können. Beide Forschungsprojekte werden durch den Waldklimafonds des Bundes finanziert.

Waldsterben und Klimawandel

Dass die Fichte auch wissenschaftlich eine vielbeachtete Baumart geworden ist, liegt einerseits an ihrer großen wirtschaftlichen Bedeutung und andererseits an ihren sensiblen Reaktionen gegenüber Umwelteinflüssen. Die großen Absterbewellen in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, ausgelöst durch saure Luftschadstoffe, welche die feinen Nadeln besonders intensiv „auskämmen“, machte die Fichte zum Synonym des Waldsterbens in den Mittelgebirgen Westeuropas. In der Folge setzten Borkenkäferkalamitäten und Stürme der Fichte weiter zu.

Umfragen unter Forstfachleuten sehen daher die Fichte als den ersten großen Verlierer unter den heimischen Baumarten bei fortschreitendem Klimawandel. Dies dürfte vor allem die Holzindustrie alarmieren, da sich eine Reihe wichtiger Holzeigenschaften nicht einfach durch andere Holzarten ersetzen lassen. Es wurde daher höchste Zeit, dass die häufigste Baumart Deutschlands als Rückgrat von Forst- und Holzwirtschaft zum 29. „Baum des Jahres“ gekürt wurde.

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