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Invasive gebietsfremde Arten in Brandenburg

Waschbär (Jungtier) (© valleyboi63, Fotolia.com)Waschbär (Jungtier) © valleyboi63, Fotolia.com

Durch die Globalisierung des Handels und die Zunahme des weltweiten Tourismus gelangen zunehmend Tier- und Pflanzenarten aus ihren ursprünglichen Verbreitungsgebieten in neue Länder und Ökosysteme. Gelingt es einer Art sich zu etablieren, sich stark zu vermehren und auszubreiten, können daraus negative Auswirkungen auf die Biodiversität und die damit verbundenen Ökosystemleistungen sowie gegebenenfalls auf die menschliche Gesundheit und Wirtschaft entstehen.

Mit der am 1. Juli 2015 in Kraft getretenen Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten hat die EU-Kommission erstmals einen rechtsverbindlichen Rahmen zum Umgang mit invasiven gebietsfremden Arten in den Mitgliedstaaten geschaffen. Die EU-Verordnung gilt für alle invasiven gebietsfremden Arten. Im Mittelpunkt der EU-VO steht eine Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung (Unionsliste), für die in der EU-VO Maßnahmen zum künftigen Umgang (Prävention, Minimierung und Abschwächung der nachteiligen Auswirkungen) festgelegt sind. Am 14. Juli 2016 hat die EU-Kommission die erste Unionsliste veröffentlicht und am 12. Juli 2017 wurde die Unionsliste um weitere 12 Arten ergänzt. Mit weiteren Ergänzungen ist voraussichtlich jährlich zu rechnen.

Neophytischer Riesenbärenklaubestand (© TwilightArtPictures, Fotolia.com)Neophytischer Riesenbärenklaubestand © TwilightArtPictures, Fotolia.com

Die Unionsliste umfasst damit aktuell 49 Tier- und Pflanzenarten, die die europäische Artenvielfalt und Biodiversität bedrohen. Einige dieser Arten können zudem wirtschaftliche Schäden verursachen (z. B. Waschbär und Nutria) oder allergische Reaktionen beim Menschen auslösen (z. B. Riesenbärenklau).

Fragen und Antworten der EU-Kommission zur 1. Unionsliste finden sich unter: http://ec.europa.eu/environment/pdf/13_07_2016_QA_en.pdf und nähere Erläuterungen des Bundesamtes für Naturschutz zu den gelisteten Arten der 1. Unionsliste und 1. Erweiterung sowie zur Verbreitung der Arten in Deutschland unter: https://neobiota.bfn.de/unionsliste.html

Für Brandenburg ergeben sich aus dem aktuellen Verbreitungsstand Verpflichtungen insbesondere für folgende, im Land Brandenburg freilebend vorkommende Tier- und Pflanzenarten:

Arten aus der 1. Unionsliste

  • Chinesische Wollhandkrabbe (zahlreiche Nachweise)
  • Kamberkrebs (zahlreiche Nachweise)
  • Signalkrebs (einzelne Vorkommen)
  • Roter Amerikanischer Sumpfkrebs (bisher 1 Einzelfund)
  • Blaubandbärbling (vereinzelte Vorkommen)
  • Buchstaben Schmuckschildkröte (vereinzelt)
  • Nutria (zahlreiche Nachweise)
  • Waschbär (flächendeckend verbreitet)

Arten aus der 1. Erweiterung der Unionsliste:

  • Riesenbärenklau (zerstreute Verbreitung)
  • Drüsiges Springkraut (zerstreute Verbreitung)
  • Marderhund (flächendeckende Verbreitung)
  • Bisamratte (in Teillebensräumen flächendeckend)
  • Seidenpflanze (sehr vereinzelt)
  • Nutall’s Wasserpest (vereinzelte Vorkommen)
  • Verschiedenblättriges Tausendblatt (nur ganz vereinzelt in Süd-Brandenburg)
  • Nilgans (verbreitet)

Nilgans (Alopochen aegyptiacus) (© DirkR, Fotolia.com)Nilgans (Alopochen aegyptiacus) © DirkR, Fotolia.com

Seit Inkrafttreten der EU-VO gelten in allen Mitgliedstaaten mit Übergangsfristen für die Haltung der gelisteten Arten Handels- und Transportverbote. So soll beispielsweise verhindert werden, dass gelistete Arten gehalten, verkauft oder weitertransportiert werden. Darüber hinaus ist für die Arten der Unionsliste ein Überwachungssystem (Monitoring) zu errichten. Außerdem sind für die im Freiland vorkommenden Arten in der frühen Phase der Invasion (Artikel 16-Arten) Beseitigungsmaßnahmen durchzuführen und für bereits weit verbreitete Arten (Artikel 19-Arten) sind geeignete Managementmaßnahmen zu identifizieren und umzusetzen.

Mit Inkrafttreten der Unionsliste (1. Unionsliste ab 3. August 2016 und 1. Erweiterung ab 2. August 2017) gelten die Regelungen der EU-VO unmittelbar. Zur Umsetzung der EU-VO hat der Bund ein Durchführungsgesetz beschlossen, das den Vollzug nach nationalem Recht konkretisiert und insbesondere die Rechte und Pflichten der Betroffenen und Behörden klarstellt. Das Gesetz ist derzeit noch nicht in Kraft, dennoch steht bereits jetzt fest, dass bis auf wenige Ausnahmen die Bundesländer zuständig sind für die Umsetzung der Bestimmungen der EU-VO .

Gemäß § 1, Abs. 2, Satz 1 der Naturschutzzuständigkeitsverordnung (NatSchZustV) ist in Brandenburg die Fachbehörde für Naturschutz und Landschaftspflege, also das Landesamt für Naturschutz, zuständig für den Vollzug der Regelungen zu den nichtheimischen, gebietsfremden und invasiven Arten des § 40 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und damit auch der EU-VO Nr. 1143/2014.

Die für Brandenburg erforderlichen Maßnahmen zur Umsetzung der EU-Verordnung werden derzeit abgestimmt.

Roter amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii)  (© neropha, Fotolia.com)Roter amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) © neropha, Fotolia.com

Letzte Aktualisierung: 14.09.2017

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